This article is in German as it discusses the (not so good but common) German translation of “Human Capital”
Bei Vielen mag der Begriff “Humankapital” keine besonders positiven Assoziationen wecken. Nicht von ungefähr wurde es zum Unwort des Jahres 2004 gewählt.
Dabei wird dieser Begriff in den Wirtschaftswissenschaften mit einem besonders positiven und menschenfreundlichen Bild verbunden. Allerdings hat der Begriff seinen Ursprung im Englischen, “Human Capital”. Während allerdings der deutsche Begriff “Human” eine sehr stark wertende, auf das Wesen des Menschen bezogene Bedeutung hat, meint der Englische Begriff “Human” sowohl ganz wertneutral “menschlich” als aber auch das wertende human, ähnlich dem deutschen Begriff. Auch der Begriff “Kapital” hat eine engere Sinnbedeutung mit einem Schwerpunkt auf dem finanziellen Kapital, während “capital” auch andere Quellen zukünftiger Einnahmen umfassen. Vor diesem Hintergrund ist vielleicht verständlicher warum die Kombination von “Human” und “Kapital” oftmals auf Unverständnis stösst.
Hinzu kommt natürlich, dass auch in den Wirtschaftswissenschaften der Begriff “Humankapital” oft missbraucht wird. Wie Christian Scholz in seinen Veröffentlichungen betont, stell der Humankapitalansatz nicht einfach eine Neubezeichnung des bekannten “Human Ressources” dar. Im Gegenteil, “Human Capital” erweitert die klassische Personalarbeit (Human Ressource Management – HRM) um eine ganz entscheidene Komponente: Der Wertschätzung der Mitarbeiter als Kapital des Unternehmens. Dies wird aber nicht von allen Personalern geteilt und oftmals ersetzt der Begriff “Humankapital” die bekannten Begriffe aus der Personalarbeit. Und natürlich ist es in Großem Maße irritierend, wenn Firmen einerseits Humankapitalberichte veröffentlichen, andererseits im Großen Stile Mitarbeiter entlassen – bzw. “freisetzen” wie es beschönigend heisst. All dies trägt natürlich zur Verwirrung der breiten Öffentlichkeit bei.
Interessanter Weise heisst der deutsche Verein “Human Capital Club” und nicht “Humankapitalclub”. Und der Duden schlägt mittlerweile auch eine Übersetzung von “Human Capital” als “menschliches Kapital” vor, was die Missverständlichkeit des Begriffs zumindest zu einem Teil reduziert. Obwohl “Humankapital” natürlich wesentlicher prägnanter klingt als “menschliches Kapital”. In den Wirtschaftswissenschaften wird der Begriff so schnell nicht von der Bildschirmfläche verschwinden – nicht zuletzt weil die Internationalisierung der Wissenschaften weiterhin den Begriff “Human Capital” verwenden werden. Andererseits wird dies weiterhin für Irritationen in der breiten Öffentlichkeit führen was u.a. auch zu einer Theater-Inzenierung mit dem Titel ‘Humankapital’ führt in welchem das “Downsizing” (oder “Rightsizing” wie es neuerdings auch heisst) grosser Konzerne an den Pranger gestellt wird. Allerdings wird vielleicht beides zu dem positiven Ergebnis führen. dass sich unsere Gesellschaft mit dem Wert von Mitarbeitern beschäftigen.